Mittwoch, 30. September 2026
Trend-Report sieht breite Akzeptanz für Cannabistherapie, aber anhaltendes Stigma
Eine neue Datenauswertung von MedCanOneStop beschreibt ein Spannungsfeld in der Versorgung mit medizinischem Cannabis. Die Bevölkerung in Deutschland bewertet die Therapie demnach mehrheitlich wie andere verschreibungspflichtige Arzneimittel. Viele Patient:innen halten ihre Behandlung dennoch im Alltag zurück, insbesondere gegenüber Hausarztpraxen und am Arbeitsplatz.
Für den Medizinalcannabis Trend-Report 2026 wurden 7.033 Patient:innen von MedCanOneStop online befragt. Ergänzend stellte das Unternehmen Ergebnisse einer repräsentativen YouGov-Erhebung unter 2.084 Erwachsenen in Deutschland gegenüber. Die Patient:innenbefragung lief vom 15. Juli bis 10. August 2026, die YouGov-Befragung vom 27. bis 29. Juli 2026.
Patient:innen berichten von Nutzen im Alltag
Unter den befragten Patient:innen waren Schlafstörungen mit 47 Prozent das häufigste Beschwerdebild. 70 Prozent gaben an, dass sich Schlaf und mentale Erholung durch die ärztlich begleitete Behandlung deutlich verbessert hätten. 49 Prozent berichteten, Alltag und Beruf produktiver und mit weniger Schmerzen bewältigen zu können.
Auch beim Einsatz anderer Arzneimittel zeigen die Angaben eine Verschiebung. Von den Befragten, die zuvor verschreibungspflichtige Schmerzmittel, Opiate oder Schlaftabletten genutzt hatten, setzten 71 Prozent diese Präparate nach eigenen Angaben vollständig ab. Weitere 20 Prozent reduzierten die Dosis um mehr als die Hälfte. 0,8 Prozent berichteten keine Veränderung.
Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert medizinisches Cannabis
Die YouGov-Daten deuten auf eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz hin. 75,1 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sprechen sich laut Erhebung dafür aus, medizinisches Cannabis gesellschaftlich wie andere rezeptpflichtige Medikamente einzuordnen. Eine Einnahme im privaten oder beruflichen Umfeld wird von vielen Befragten als unproblematisch gesehen: 65 Prozent im Familienkreis, 69 Prozent im Freundeskreis und 67 Prozent unter Kolleg:innen.
Stigma bleibt Versorgungsproblem
Trotz dieser Akzeptanz fühlen sich laut Patient:innenbefragung 74 Prozent der Betroffenen im Zusammenhang mit ihrer Therapie stigmatisiert. 64 Prozent informieren ihre reguläre Hausarztpraxis nicht über die Behandlung. Bei 33 Prozent ist Angst vor Verurteilung der ausschlaggebende Grund. 29 Prozent berichteten, in den vergangenen zwölf Monaten Ablehnung durch medizinisches Personal außerhalb von MedCanOneStop erlebt zu haben.
Auch im Arbeitsumfeld bleibt die Behandlung häufig privat. 71 Prozent sprechen dort nicht oder nur mit einem sehr kleinen Vertrauenskreis über ihre Cannabistherapie. Ein Viertel der Befragten gab an, am Arbeitsplatz konkrete Benachteiligungen erlebt zu haben.
MedCanOneStop-Gründer und CEO Cedric Lehmann sieht darin ein Risiko für die Versorgung. Wenn Hausärzt:innen nichts von einer laufenden Cannabistherapie wissen, könnten mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten unbemerkt bleiben, so seine Einordnung.
Einordnung der Daten
Die Ergebnisse beruhen bei den Patient:innen auf Selbstauskünften in einer Online-Befragung. MedCanOneStop nennt zudem eine tendenziell digital affine Stichprobe als mögliche Limitation. Die YouGov-Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und gewichtet. Sie ist nach Angaben zur Methodik repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
Für pharmazeutische Unternehmen, Versorgungspartner und medizinische Fachkreise zeigen die Daten zwei parallele Entwicklungen: Die gesellschaftliche Normalisierung von Medizinalcannabis schreitet voran, während Stigma und Kommunikationslücken in der Versorgung weiterhin eine praktische Hürde darstellen.