Harald Tittel/dpa

Montag, 28. September 2026

Biontech schließt drei deutsche Standorte nach erfolgloser Käufersuche

Biontech wird die Standorte in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein schließen. Das Unternehmen fand nach eigenen Angaben keine Käufer für die drei deutschen Werke. Rund 1800 Beschäftigte sind betroffen.

Für die Schließungen nennt Biontech konkrete Zeitfenster: In Tübingen soll der Betrieb Ende 2027 auslaufen, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028. Mit dem Konzernbetriebsrat seien zusätzliche Abfindungsregelungen vereinbart worden. Details dazu nannte das Unternehmen nicht.

Überkapazitäten und strategischer Umbau

Biontech hatte bereits im Frühjahr angekündigt, die drei Standorte nicht fortzuführen. Als Gründe wurden eine zu geringe Auslastung, Überkapazitäten, Kostendisziplin und die stärkere Ausrichtung auf Krebsmedizin genannt.

Das Werk in Marburg war unter anderem für die Herstellung von Covid-19-Impfstoffen auf mRNA-Basis sowie von Plasmid-DNA relevant, einem Ausgangsmaterial für mRNA-Impfstoffe und Zelltherapien. In Idar-Oberstein werden Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen produziert. Tübingen ist der Sitz von Curevac, dessen Übernahme Biontech im Sommer 2025 angekündigt hatte.

Nach Angaben des Unternehmens prüften interne Fachleute und externe Makler mögliche Verkäufe. Angesprochen wurden internationale, nationale und mittelständische Firmen sowie Investoren aus Bereichen wie mRNA-Produktion, Antikörperherstellung, Plasmide, Zelltherapie und Gentherapie. Zu Abschlüssen kam es für Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein nicht.

Berlin-Tochter geht an Dubag

Anders verlief die Suche bei JPT Peptide Technologies in Berlin. Die Gesellschaft, die Dienstleistungen rund um Forschung, Entwicklung und Analyse von Peptiden anbietet, wurde von der Münchner Dubag Group übernommen. Die Belegschaft mit rund 130 Stellen ging mit.

Von Covid-Erlösen zu Onkologie-Investitionen

Biontech erzielte während der Pandemie zusammen mit Pfizer hohe Umsätze mit dem Covid-19-Impfstoff. Inzwischen ist die Nachfrage seit Jahren rückläufig, ein weiteres zugelassenes Produkt hat das Unternehmen bislang nicht.

Der Konzern mit weltweit rund 7200 Beschäftigten befindet sich daher in einem tiefgreifenden Umbau. Der Schwerpunkt liegt zunehmend auf Onkologie, mRNA-basierten Immuntherapien und Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Diese Entwicklung ist kapitalintensiv. In den ersten sechs Monaten des Jahres lag der Verlust bei 1,35 Milliarden Euro, nach 802,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Parallel steht ein Führungswechsel an. Uğur Şahin und Özlem Türeci wollen Biontech spätestens zum Jahresende verlassen und sich mit einem neuen Unternehmen der nächsten Generation mRNA-basierter Arzneimittel widmen. Die neue Firma soll Arife heißen und ebenfalls in Mainz sitzen. Şahins Nachfolger als Vorstandsvorsitzender wird spätestens zum 1. Februar 2027 Guido Oelkers.

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