Pharmakovigilanz – Arzneimittelsicherheit auch in der Kommunikation beachten
Inhalt
Was ist Pharmakovigilanz?
Pharmakovigilanz umfasst die Erkennung, Bewertung, das Verständnis und die Vermeidung von Nebenwirkungen sowie weiteren arzneimittelbezogenen Problemen. Sie dient der fortlaufenden Überwachung der Sicherheit von Arzneimitteln über ihren Lebenszyklus.
Ein Hinweis auf ein unerwünschtes Ereignis ist zunächst eine Information, die fachlich eingeordnet werden muss. Ein zeitlicher Zusammenhang beweist noch keine Ursache. Umgekehrt darf eine Meldung nicht deshalb ignoriert werden, weil die Kausalität noch nicht geklärt ist.
Warum betrifft Pharmakovigilanz auch Marketingteams?
Menschen können mögliche Nebenwirkungen in unterschiedlichen Kontaktkanälen erwähnen, etwa am Telefon, per E-Mail, bei Veranstaltungen oder in digitalen Kommentaren. Solche Informationen können deshalb auch Stellen erreichen, deren Hauptaufgabe nicht die Arzneimittelsicherheit ist.
Marketing und Agenturen benötigen einen klaren Übergabeprozess an die zuständige Sicherheitsfunktion. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, eine abschließende medizinische Bewertung vorzunehmen. Sie müssen relevante Hinweise erkennen und nach den geltenden Verfahren weiterleiten können.
Wie werden Kommunikationskanäle sinnvoll eingebunden?
Vor dem Start eines Angebots sollten Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe mit der Pharmakovigilanzfunktion abgestimmt werden.
- Kanäle erfassen: Eigene Websites, betreute Social-Media-Angebote, Veranstaltungen und Dienstleisterkontakte berücksichtigen.
- Verantwortliche benennen: Festlegen, wer Hinweise erkennt, weitergibt und Rückfragen koordiniert.
- Schulungen planen: Mitarbeiter:innen und beauftragte Dienstleister anhand typischer Kontaktsituationen vorbereiten.
- Übergabe dokumentieren: Eingehende Hinweise über einen sicheren, nachvollziehbaren Prozess an die Fachfunktion leiten.
Welche Überwachungs- und Meldeanforderungen im Einzelnen gelten, ist nach Kanal, Rolle und geltenden Vorgaben fachlich festzulegen. Fristen dürfen nicht allein aus allgemeinen Marketingprozessen abgeleitet werden.
Welche Herausforderungen bestehen in digitalen Kanälen?
Beiträge können unvollständig, mehrdeutig oder öffentlich sichtbar sein. Teams müssen zwischen erforderlicher Nachverfolgung und dem Schutz personenbezogener Informationen abwägen. Öffentliche Rückfragen sollten keine sensiblen Details unnötig offenlegen.
Auch Moderation und Sicherheitsbearbeitung dürfen nicht verwechselt werden. Das Entfernen eines Beitrags erledigt nicht automatisch die dahinterliegende Pharmakovigilanzaufgabe. Bei externen Dienstleistern müssen Leistungsumfang, Erreichbarkeit und Übergabewege vertraglich und organisatorisch zusammenpassen.
Welche Angaben helfen bei einer Sicherheitsmeldung?
Zu den Mindestangaben einer gültigen Einzelfallmeldung gehören eine identifizierbare meldende und eine betroffene Person, ein verdächtigtes Arzneimittel und eine vermutete Nebenwirkung. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind und welche Nachfragen nötig sind, beurteilt die Sicherheitsfunktion. Marketingteams sollten auch unvollständige Hinweise nach dem vereinbarten Verfahren weitergeben. Persönliche Gesundheitsangaben werden dabei über geeignete geschützte Wege behandelt und nicht öffentlich erfragt.
Fazit: Arzneimittelsicherheit braucht verlässliche Übergaben
Pharmakovigilanz ist auch an den Kontaktpunkten der Kommunikation relevant. Geschulte Teams, klare Zuständigkeiten und sichere Weiterleitung unterstützen die zuständige Fachfunktion. Ein gut geplanter Kanal berücksichtigt solche Abläufe bereits vor seinem Start.

