Medical Affairs – Wissenschaftliche Verantwortung und medizinischer Austausch
Inhalt
Was ist Medical Affairs?
Medical Affairs bezeichnet die medizinisch-wissenschaftliche Funktion eines Unternehmens, die Evidenz, fachlichen Austausch und medizinische Informationsbedürfnisse verbindet. Zu den Aufgaben können medizinische Strategie, Informationsservices, Publikationen und die Zusammenarbeit mit externen Fachpersonen gehören.
Die genaue Organisation unterscheidet sich zwischen Unternehmen. Entscheidend sind fachliche Verantwortlichkeit und eine klare Abgrenzung zu kommerzieller Werbung. Medical Affairs ist deshalb nicht lediglich eine andere Bezeichnung für Marketing oder Vertrieb.
Warum ist Medical Affairs für Pharmaunternehmen wichtig?
Ein Arzneimittel wirft über seinen gesamten Lebenszyklus wissenschaftliche Fragen auf. Fachpersonen benötigen nachvollziehbare Informationen, während Unternehmen Rückmeldungen zu offenen Fragen und Evidenzlücken verstehen müssen. Medical Affairs kann diesen Austausch fachlich organisieren.
Auch intern ist die Funktion ein wichtiger Ansprechpartner, etwa bei der Einordnung von Studien oder der Bewertung medizinischer Aussagen. Zusammenarbeit mit Marketing ist möglich und häufig nötig, muss aber Rollen, Entscheidungswege und den jeweiligen Kommunikationszweck klar halten.
Welche Aufgaben sind besonders relevant?
Eine medizinische Planung sollte sich an wissenschaftlichen und versorgungsbezogenen Fragen orientieren.
- Evidenz einordnen: Studienergebnisse, Grenzen und offene Fragen für die relevante medizinische Situation bewerten.
- Austausch ermöglichen: Fachliche Fragen über geeignete medizinische Kanäle beantworten und Rückmeldungen strukturiert aufnehmen.
- Wissen vermitteln: Wissenschaftliche Publikationen und angemessene Fortbildungs- beziehungsweise Informationsangebote unterstützen.
- Schnittstellen betreuen: Mit klinischer Entwicklung, Sicherheitsfunktionen und Market Access sachbezogen zusammenarbeiten.
Welche Informationen in welchem Rahmen bereitgestellt werden dürfen, hängt von Produktstatus, Anlass, Zielgruppe und geltenden Vorgaben ab.
Welche Herausforderungen bestehen an den Schnittstellen?
Unklare Ziele können dazu führen, dass medizinische Aktivitäten wie kommerzielle Kontaktmaßnahmen gesteuert werden. Unternehmen sollten deshalb festlegen, welche Ergebnisse zu den jeweiligen Aufgaben passen. Die Anzahl von Kontakten allein beschreibt weder wissenschaftlichen Nutzen noch Qualität.
Auch Rückmeldungen aus dem Feld benötigen eine sorgfältige Behandlung. Fachliche Erkenntnisse sollten von personenbezogenen Profilen und werblichen Schlussfolgerungen unterschieden werden. Medizinische Anfragen und Sicherheitshinweise benötigen jeweils den dafür vorgesehenen Prozess. Eine organisatorische Zuordnung allein entscheidet noch nicht über die rechtliche Einordnung einer konkreten Kommunikation.
Welche Aufgabe übernimmt welches medizinische Team?
Medical Information beantwortet konkrete medizinische Anfragen. Field Medical beziehungsweise MSLs führen wissenschaftliche Gespräche im jeweiligen Aufgabenrahmen. Die medizinische Strategie bündelt unter anderem wiederkehrende Fragen und Evidenzlücken für die weitere Planung. Wie diese Aufgaben verteilt sind, ist unternehmensabhängig. Ein guter Übergabeprozess sorgt dafür, dass eine Anfrage eine qualifizierte Antwort erhält und ein Sicherheitshinweis die Pharmakovigilanz erreicht.
Fazit: Medical Affairs verbindet Evidenz mit fachlichem Dialog
Medical Affairs unterstützt den verantwortlichen Umgang mit medizinischem Wissen. Klare Rollen, qualifizierte Mitarbeitende und nachvollziehbare Prozesse ermöglichen sinnvolle Zusammenarbeit mit anderen Funktionen. Für Pharma-Kommunikation ist die Trennung von wissenschaftlichem Zweck und werblicher Zielsetzung zentral.

