Image: Eli Lilly and Company

Montag, 20. Juli 2026

Lilly übernimmt AtaiBeckley und stärkt Pipeline für therapieresistente Depression

Eli Lilly and Company will AtaiBeckley Inc. übernehmen. Die Unternehmen haben am 16. Juli 2026 eine verbindliche Vereinbarung bekanntgegeben. Mit dem Zukauf baut Lilly seine Aktivitäten in der Neurowissenschaft aus und erhält Zugang zu klinischen Programmen für schwer behandelbare psychische Erkrankungen.

AtaiBeckley ist ein biopharmazeutisches Unternehmen in der klinischen Entwicklung. Im Mittelpunkt steht eine Pipeline schnell wirkender Neuroplastogene. Der am weitesten fortgeschrittene Wirkstoffkandidat ist BPL-003, auch mebufotenin benzoate. Dabei handelt es sich um eine synthetische Form von 5-MeO-DMT zur intranasalen Anwendung bei therapieresistenter Depression.

Klinische Programme im Fokus

BPL-003 wird für Patientinnen und Patienten mit Depressionen entwickelt, bei denen frühere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben. Nach Angaben der Unternehmen zeigte der Kandidat in einer Phase-2b-Studie eine schnelle und anhaltende Verringerung depressiver Symptome. Die Behandlung erfolgte im Rahmen eines Kliniktermins, der im Durchschnitt etwa zwei Stunden dauerte. Positive Effekte hielten demnach über Monate an.

Der Wirkstoffkandidat hat von der US-Arzneimittelbehörde FDA den Status einer Breakthrough Therapy Designation erhalten. Aktivitäten für Phase 3 wurden bereits aufgenommen. Das zweite weiter fortgeschrittene Programm ist VLS-01, eine DMT-Formulierung als bukkaler Film. VLS-01 befindet sich in einer laufenden Phase-2b-Studie.

Die Programme zielen auf Mechanismen, die mit synaptischer Plastizität zusammenhängen. AtaiBeckley verfolgt dabei den Ansatz, die Bildung und Stärkung neuronaler Verbindungen in für die Stimmungsregulation relevanten Hirnregionen zu beeinflussen. Damit unterscheiden sich die Kandidaten von klassischen Antidepressiva, die vor allem auf Neurotransmitterspiegel abzielen.

Bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar möglich

Lilly bietet 6,75 US-Dollar je AtaiBeckley-Aktie in bar bei Vollzug der Transaktion. Zusätzlich können Aktionäre über ein Contingent Value Right weitere Zahlungen von bis zu 2,50 US-Dollar je Aktie erhalten, sofern bestimmte Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteine für BPL-003 und VLS-01 erreicht werden.

Die Barzahlung entspricht einem aggregierten Eigenkapitalwert von rund 2,8 Milliarden US-Dollar. Die möglichen zusätzlichen Zahlungen über die CVR-Struktur belaufen sich auf bis zu rund 1,0 Milliarden US-Dollar. Lilly weist darauf hin, dass keine Garantie für Zahlungen aus dem CVR besteht.

Zu den Meilensteinen gehören der Start einer Phase-3-Studie mit VLS-01 vor dem vierten Jahrestag des Closings, die US-Zulassung und DEA-Umstufung von BPL-003 vor dem fünften Jahrestag sowie entsprechende Schritte für VLS-01 vor dem siebten Jahrestag.

Closing im dritten Quartal erwartet

Die Transaktion ist nicht an eine Finanzierungsbedingung geknüpft. Der Abschluss wird im dritten Quartal erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der AtaiBeckley-Aktionäre, regulatorischer Freigaben und weiterer üblicher Bedingungen.

Der Kaufpreis beim Closing liegt nach Unternehmensangaben rund 40 Prozent über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der AtaiBeckley-Aktie der 30 Tage bis zum 15. Juli 2026. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben der Transaktion zugestimmt.

Apeiron Investment Group sowie alle Direktoren und leitenden Angestellten von AtaiBeckley haben Stimmrechts- und Unterstützungsvereinbarungen unterzeichnet. Diese beziehen sich zusammen auf etwa 15 Prozent der ausstehenden AtaiBeckley-Stammaktien.

Goldman Sachs berät Lilly finanziell, Ropes & Gray rechtlich. AtaiBeckley wird von Moelis & Company und Centerview Partners finanziell sowie von Latham & Watkins rechtlich beraten. Citi unterstützte zudem das Board von AtaiBeckley mit finanzieller Beratung.