Gemeinnützige Hertie-Stiftung

Donnerstag, 11. Juni 2026

#OffenGesagt thematisiert chronische Erkrankungen im Berufsleben

Die Hertie-Stiftung rückt mit der Kampagne #OffenGesagt den Umgang mit chronischen Erkrankungen am Arbeitsplatz in den Fokus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Beschäftigte, Kolleginnen und Kollegen sowie Führungskräfte miteinander sprechen können, wenn gesundheitliche Belastungen den Arbeitsalltag beeinflussen.

Die Initiative adressiert unter anderem Menschen mit Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Endometriose, Migräne oder Reizdarmsyndrom. Viele Symptome bleiben im beruflichen Umfeld unsichtbar, etwa Erschöpfung, Schmerzen, Konzentrationsprobleme oder eine wechselnde Belastbarkeit. Genau diese Unsichtbarkeit kann zu Missverständnissen und Vorurteilen führen.

Social-Media-Kampagne mit verschiedenen Perspektiven

#OffenGesagt ist vor allem für digitale Kanäle und Social Media angelegt. Creatorinnen, Creator und Fachstimmen greifen typische Situationen aus dem Arbeitsleben auf. Dabei geht es um persönliche Erfahrungen, um fachliche Einordnung, um humorvolle Zugänge und um konkrete Beispiele für unterstützendes Verhalten im Team.

Zu den genannten Beteiligten zählen unter anderem Skatschie, Defne, Sophia, Lasse Rheingans, Blessed, Linella, Mertcan, Kiki, Magdalena Rogl, Lini, Nils Behrens, Prof. Dr. Mandy Mangler, Anna und Sükrü. Sie bringen unterschiedliche Erkrankungen, Berufsfelder und Blickwinkel in die Kampagne ein.

Sprache als Teil der Arbeitskultur

Ein zentraler Ansatz der Kampagne ist der bewusste Umgang mit Sprache. Die Stiftung stellt Formulierungen gegenüber, die zwar unterstützend gemeint sein können, Betroffene aber unter Druck setzen oder ihre Erfahrungen verkürzen. Statt allgemeiner Zuschreibungen soll der Dialog stärker auf Zuhören, Wahlfreiheit und konkrete Unterstützung ausgerichtet werden.

Beispiele der Kampagne zeigen, dass Fragen nach passenden Rahmenbedingungen hilfreicher sein können als pauschale Aussagen über Stärke oder positives Denken. Damit richtet sich #OffenGesagt nicht nur an Betroffene, sondern auch an Kolleginnen und Kollegen, Personalverantwortliche und Unternehmen.

Relevanz für Arbeitgeber

Nach Angaben der Stiftung leben in Deutschland mehr als 40 Prozent der Bevölkerung mit einer chronischen Erkrankung. Für den Arbeitsmarkt ist das auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels relevant. Die Kampagne betont, dass eine Diagnose nichts über Kompetenz oder Leistungsfähigkeit aussagt und dass Unternehmen Talente mit nicht sichtbaren Erkrankungen stärker berücksichtigen sollten.

Die Hertie-Stiftung beschäftigt sich bereits seit 2022 regelmäßig mit chronischen Erkrankungen im Arbeitskontext. Im Februar 2025 veranstaltete sie gemeinsam mit dem Landesverband Hessen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft eine Podiumsdiskussion in der IHK Frankfurt. Auf dem Podium waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Sanofi-Aventis, Hays, der Bundesagentur für Arbeit und der Mobilitätsbranche vertreten.

Für die Pharma- und Healthcare-Kommunikation zeigt #OffenGesagt, wie Aufklärung zu chronischen Erkrankungen über digitale Formate, persönliche Stimmen und arbeitsweltbezogene Inhalte vermittelt werden kann. Die Kampagne positioniert das Thema nicht als individuelles Problem, sondern als Frage von Unternehmenskultur, Inklusion und Kommunikation.