Dienstag, 16. Juni 2026
GSK will Nuvalent für 10,6 Milliarden Dollar übernehmen
GSK hat eine Vereinbarung zur Übernahme des US-Biotechunternehmens Nuvalent geschlossen. Der Kaufpreis liegt bei rund 10,6 Milliarden US-Dollar auf Eigenkapitalbasis. Mit der Transaktion stärkt der britische Pharmakonzern sein Onkologiegeschäft und beschleunigt den Einstieg in spezifische Segmente des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms.
Nuvalent mit Sitz in Boston entwickelt zielgerichtete Krebstherapien. Im Mittelpunkt der Übernahme stehen drei Programme beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, darunter zwei weit fortgeschrittene Wirkstoffkandidaten, die sich bereits im Zulassungsverfahren der US-amerikanischen Food and Drug Administration befinden.
Zwei Kandidaten vor möglichen FDA-Entscheidungen
Die wichtigsten Programme sind Zidesamtinib, auch NVL-520, und Neladalkib, auch NVL-655. Zidesamtinib ist ein ROS1-Inhibitor, Neladalkib ein ALK-Inhibitor. Beide Wirkstoffe werden von GSK als potenziell führende nächste Generation hochselektiver Therapien für Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs beschrieben.
Für beide Kandidaten wurden in den USA Breakthrough-Therapy- und Orphan-Drug-Status erteilt. Die Zieltermine der FDA liegen nach Angaben von GSK am 18. September 2026 für Zidesamtinib und am 27. November 2026 für Neladalkib. Bei positiver Entscheidung könnten die Produkte noch 2026 in den Markt kommen.
GSK sieht in den beiden Kandidaten erhebliches Umsatzpotenzial. Die Entwicklung zielt darauf ab, bestehende Grenzen zugelassener Therapien bei Wirksamkeit, Verträglichkeit, Resistenzmutationen und ZNS-Metastasen besser zu adressieren. Daten wurden unter anderem bei der IASLC World Conference on Lung Cancer 2025 und beim ASCO Annual Meeting 2026 vorgestellt.
Weitere Pipeline und strategischer Fit
Zum erworbenen Portfolio gehört außerdem NVL-330, ein HER2-Inhibitor in Phase I für HER2-verändertes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom. Darüber hinaus übernimmt GSK präklinische Programme aus der Forschungsplattform von Nuvalent.
Strategisch passt der Deal zu GSKs Ansatz, in Wirkstoffe mit validierten Zielstrukturen zu investieren, die klinische Lücken adressieren sollen. Zugleich schafft die Übernahme eine Plattform im Lungenkrebsbereich, die GSK mit Ris-Rez ausbauen will. Der B7-H3-gerichtete Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Kandidat befindet sich in Phase III.
Konditionen der Transaktion
GSK will innerhalb von zehn Geschäftstagen ein Übernahmeangebot für alle ausstehenden Class-A- und Class-B-Stammaktien von Nuvalent starten. Der Angebotspreis beträgt 124 US-Dollar je Aktie in bar. Abzüglich der übernommenen Barmittel beziffert GSK die Investition auf rund 9,4 Milliarden US-Dollar, entsprechend etwa 7,1 Milliarden Pfund.
Der Angebotspreis entspricht nach Unternehmensangaben einem Aufschlag von 40 Prozent auf den letzten Schlusskurs sowie 26 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Kalendertage.
Die Finanzierung soll vor allem über neue und bestehende Kreditlinien sowie Barmittel erfolgen. GSK erwartet keine Auswirkungen auf das Kreditrating und verweist auf weiterhin vorhandenen Spielraum für weitere wertsteigernde Geschäftsentwicklung. Bestehende Umsatzbeteiligungen von Nuvalent mit niedrigen einstelligen Lizenzzahlungen an Royalty Pharma und Deerfield werden übernommen.
Ausblick für GSK
GSK hält an der Prognose für 2026 fest, die ein Wachstum von 7 bis 9 Prozent bei Kernbetriebsergebnis und Kern-EPS vorsieht. Ab 2027 soll die Übernahme zum Umsatzwachstum beitragen und die bestehende Ambition von mehr als 40 Milliarden Pfund Umsatz bis 2031 ergänzen.
Das Unternehmen erwartet einen positiven Beitrag zum Kernbetriebsergebnis ab 2027 und zum Kerngewinn je Aktie ab 2029, jeweils unter Einbeziehung von Synergien und Priorisierungen im Portfolio. Bei einem Abschluss im dritten Quartal 2026 rechnet GSK für 2026, 2027 und 2028 mit einer Verwässerung des Kern-EPS im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Der Abschluss der Transaktion steht noch unter üblichen Bedingungen. Dazu zählen unter anderem die Andienung einer Mehrheit der ausstehenden Class-A-Aktien von Nuvalent sowie der Ablauf oder die Beendigung der einschlägigen Wartefrist nach dem US-amerikanischen Hart-Scott-Rodino Act.