Dienstag, 6. Oktober 2026
OpenAI testet visuelle Anzeigen in ChatGPTs Bildgenerierung
OpenAI baut ChatGPT zu einem Werbeumfeld aus. Ab Oktober 2026 soll in den USA ein Pilot mit visuellen Display-Anzeigen im Umfeld der Bildgenerierung starten. Die Werbung soll neben den generierten Bildern erscheinen, klar gekennzeichnet sein und nach Angaben des Unternehmens nicht in die erzeugten Motive eingreifen.
Für Pharma- und Healthcare-Marketer ist der Schritt relevant, weil damit ein weiterer KI-Kanal an der Schnittstelle von Suche, Beratung, Inspiration und Kreation entsteht. Gerade visuelle Nutzungssituationen, etwa Moodboards, Produktideen oder Anwendungsszenarien, könnten perspektivisch neue Kontaktpunkte schaffen. Zugleich bleiben Fragen zu Brand Safety, Kontextsteuerung und regulatorischer Transparenz zentral.
Werbung neben, nicht im Bild
Nach den vorliegenden Angaben sollen die Anzeigen vom eigentlichen Bild getrennt bleiben. OpenAI beschreibt das Format als visuelle Platzierung, die Produkte, Nutzungssituationen oder Service-Erlebnisse zeigen kann. Die Anzeigen sollen ausdrücklich markiert werden.
OpenAI erklärt zudem, dass Werbung die Antworten von ChatGPT nicht beeinflussen soll. Entscheidend für die Akzeptanz dürfte aber die konkrete Umsetzung sein. Noch offen sind unter anderem Größe, Häufigkeit, genaue Platzierung und die Frage, wie stark die Anzeigen auf den jeweiligen Nutzungskontext abgestimmt werden.
Der US-Test soll zunächst mit einer begrenzten Gruppe von Werbekunden laufen. Parallel verweist ergänzendes Material darauf, dass Werbung in Europa bereits in 31 Ländern für Nutzerinnen und Nutzer der kostenlosen Version sowie von Go geschaltet wurde. Plus-, Pro- und Enterprise-Abonnements sollen demnach nicht betroffen sein.
Messung und Attribution sind bereits angelegt
OpenAI arbeitet nach den Angaben mit einer Reihe von Mess- und Attributionpartnern. Genannt werden unter anderem AppsFlyer, Triple Whale, Adjust, Rockerbox, Northbeam, Branch, Singular, Kochava, Airbridge und Tenjin. Weitere Datenanbindungen sollen über Hightouch, Tealium und LiveRamp möglich sein.
Für umfassendere Performance-Analysen werden Fospha, Measured und INCRMNTAL genannt. Zudem sind geo-basierte Incrementality-Tests mit Haus, Measured und WorkMagic vorgesehen. Für Brand-Suitability-Piloten nennt OpenAI DoubleVerify und Integral Ad Science.
Damit ähnelt der Aufbau weniger einem kleinen Produkttest als einem frühen Werbe-Ökosystem. Für Healthcare-Marken ist das relevant, weil belastbare Messung, klare Trennung von Inhalt und Anzeige sowie überprüfbare Brand-Safety-Standards in regulierten Märkten besonders wichtig sind.
DSA erhöht den Transparenzdruck in Europa
Besonders relevant ist der europäische Kontext. Laut Zusatzinformationen wurde ChatGPT von der Europäischen Kommission Ende August als sehr große Online-Suchmaschine im Sinne des Digital Services Act eingestuft. Grundlage war eine angegebene Reichweite von 159,1 Millionen monatlichen Nutzerinnen und Nutzern in der EU.
Ab Januar greifen damit zusätzliche Pflichten. Dazu gehört nach den Angaben ein öffentliches Werberegister, das unter anderem Werbetreibende, Laufzeiten, Targeting-Parameter und Reichweiten dokumentieren soll. Für Werbetreibende in regulierten Branchen kann ein solches Register die Nachvollziehbarkeit erhöhen, zugleich aber auch mehr öffentliche Sichtbarkeit für Kampagnenentscheidungen schaffen.
Das Zusatzmaterial weist außerdem darauf hin, dass OpenAI bei der Ausspielung von Anzeigen Guardrails einsetzen will. Diese sollen prüfen, ob eine Unterhaltung emotional vulnerabel, sensibel oder anderweitig ungeeignet ist, bevor eine Anzeige erscheint. Für Gesundheitskommunikation ist diese Abgrenzung besonders wichtig, da medizinische Themen häufig sensible Lebenssituationen berühren.
Ein neuer Kanal mit offenen Fragen
Für Pharma- und Healthcare-Marketing ergibt sich vorerst kein sofortiger Standardkanal, aber ein relevantes Signal. KI-Assistenten entwickeln sich von reinen Antwortsystemen zu kommerziellen Umgebungen mit Werbeinventar, Messlogik und Brand-Safety-Anbietern.
Offen bleibt, welche Branchen und Produktkategorien in frühen Phasen zugelassen werden, wie streng sensible Gesundheitskontexte ausgeschlossen werden und ob unabhängige Prüfberichte veröffentlicht werden. Ebenso unklar ist, ob Targeting künftig stärker auf Gesprächskontexte zugreifen wird oder ob OpenAI hier engere Grenzen zieht.
Für Healthcare-Werbung wird die entscheidende Frage sein, ob Transparenz, Trennung von redaktionell wirkender KI-Antwort und Anzeige sowie Schutz vulnerabler Nutzergruppen nachprüfbar funktionieren. Erst dann lässt sich beurteilen, ob ChatGPT Ads für regulierte Kommunikation mehr als ein experimenteller Touchpoint werden.