Image: Dmitriy Frantsev

Donnerstag, 20. August 2026

NIM-Studie: Longevity bleibt im Alltag noch ein Nischenthema

Longevity ist in Forschung, Start-up-Szene und Produktentwicklung stark präsent. Im Alltag vieler Verbraucherinnen und Verbraucher ist der Wunsch nach einer möglichst langen gesunden Lebensspanne aber offenbar noch nicht der prägende Maßstab. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Befragung des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen, kurz NIM.

Für die Untersuchung wurden Menschen in Deutschland, Frankreich, Schweden, Japan und den USA befragt. Nach Einschätzung des Instituts zeigt sich ein differenziertes Bild: Das Thema besitzt Aufmerksamkeit und Potenzial, ist aber noch kein breit verankerter gesellschaftlicher Trend. Besonders jüngere Befragte zeigen sich offener für neue Angebote und medizinische Anwendungen.

Wunschalter liegt nur moderat über der Lebenserwartung

In den meisten untersuchten Märkten möchten die Befragten älter werden, als es die jeweilige Lebenserwartung bei Geburt erwarten lässt. Japan bildet dabei die Ausnahme. Die Differenz fällt jedoch überschaubar aus.

In Deutschland liegt das durchschnittlich gewünschte Lebensalter bei 85,6 Jahren. Die Lebenserwartung bei Geburt betrug zuletzt 81,4 Jahre. Deutlich größer ist der Abstand in den USA. Dort nennen die Befragten im Mittel 87,9 Jahre, während die statistische Lebenserwartung bei Geburt bei 79,3 Jahren liegt.

Genuss bleibt wichtiger als konsequenter Verzicht

Die Studie zeigt auch, dass viele Menschen gesundes Altern nicht mit einem stark reglementierten Lebensstil verbinden möchten. In Deutschland geben 53 Prozent an, vor allem im Hier und Jetzt leben, genießen und sich möglichst wenig einschränken zu wollen. Demgegenüber bezeichnen sich 22 Prozent als sehr diszipliniert und bereit, zugunsten eines langen und gesunden Lebens auf Dinge zu verzichten.

Ein ähnliches Muster sieht das NIM auch in den anderen Ländern. In keiner der betrachteten soziodemografischen Gruppen überwiegt laut Studie eine Haltung, bei der Verzicht klar vor Lebensgenuss steht.

Gesundheitsroutinen sind etabliert

Gleichzeitig sind in Deutschland mehrere Verhaltensweisen weit verbreitet, die mit gesundem Altern in Verbindung gebracht werden. 59 Prozent der Befragten treiben regelmäßig Sport. 65 Prozent achten auf ausreichend guten Schlaf, 64 Prozent pflegen aktiv soziale Kontakte. Diese Werte liegen im internationalen Vergleich auf einem hohen Niveau.

Ob diese Routinen ausdrücklich mit Longevity-Zielen begründet werden, bleibt offen. Für Anbieter im Gesundheitsmarkt ist dennoch relevant, dass gesundheitsorientiertes Verhalten bereits in vielen Alltagsroutinen verankert ist.

Neue medizinische Angebote erreichen bisher wenige Nutzer

Anders fällt das Bild bei neueren medizinischen und technologischen Longevity-Anwendungen aus. Epigenetische Alterstests, spezielle Longevity-Angebote sowie Zell- und Gentherapien werden bislang nur von kleinen Minderheiten genutzt. In Deutschland können sich je nach Angebot jedoch 26 bis 33 Prozent vorstellen, solche Anwendungen künftig zu nutzen. In den USA ist die Offenheit mit 35 bis 44 Prozent höher.

Jüngere Menschen sind länderübergreifend deutlich aufgeschlossener gegenüber solchen Angeboten als ältere Gruppen. Damit deutet die Befragung auf ein mögliches zukünftiges Marktpotenzial hin, auch wenn die aktuelle Nutzung noch begrenzt bleibt.

Als Beispiel nennt die Studie neuere medizinische Behandlungen wie sogenannte Abnehmspritzen. In Deutschland berichten 12 Prozent von einer bisherigen Nutzung, weitere 27 Prozent können sich eine Anwendung vorstellen. In den USA liegen die Werte bei 17 Prozent Nutzung und 35 Prozent Offenheit für eine künftige Nutzung.

Mehr gesunde Jahre vor allem für Privates

Zusätzliche gesunde Lebensjahre würden die Befragten vor allem privat nutzen. Im Vordergrund stehen Familie und Freunde, Reisen sowie neue Erfahrungen. Weiterbildung, gesellschaftliches Engagement und längeres Arbeiten spielen eine geringere Rolle.

Besonders deutlich zeigt sich dies in Deutschland. Nur 9 Prozent der deutschen Befragten würden zusätzliche gesunde Jahre nutzen, um länger berufstätig zu bleiben. Das ist der niedrigste Wert unter den fünf untersuchten Ländern.

Studiendesign

Das NIM führte die Befragung vom 13. bis 19. Mai 2026 über NIQ eBUS International durch. Insgesamt nahmen 5.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren teil. Pro Land wurden 1.000 Menschen befragt. Die Stichproben sind jeweils repräsentativ für die Wohnbevölkerung dieser Altersgruppe in Deutschland, Frankreich, Schweden, Japan und den USA.