Mittwoch, 29. Juli 2026
Magnosco stellt KI-Assistenten für Hautkrebsdiagnostik vor
Das Berliner MedTech-Unternehmen Magnosco hat eine KI-gestützte Software für die dermatoskopische Beurteilung von Hautläsionen entwickelt. Die Lösung mit dem Namen idea® steht für interactive dermatoscopic examination assistant und soll Fachärztinnen und Fachärzte insbesondere bei schwer einzuordnenden pigmentierten Hautveränderungen unterstützen.
Nach Angaben des Unternehmens konnte die Software die diagnostische Genauigkeit in besonders anspruchsvollen Fällen deutlich verbessern. Magnosco verweist auf eine internationale Reader-Studie mit 16 ärztlichen Teilnehmenden, die in Dermatoskopie geschult waren. Untersucht wurde, wie sich der Einsatz von idea® auf Diagnosen und Therapieentscheidungen auswirkt.
Interpretierbare KI statt reiner Risikowerte
Magnosco positioniert idea® ausdrücklich nicht als Black-Box-System. Die Software soll dermatoskopisch relevante Merkmale sichtbar machen, darunter Farben, Symmetrie und Mustercharakteristika. Grundlage der Darstellung ist etabliertes dermatoskopisches Lehrbuchwissen.
Für die praktische Anwendung bedeutet das: Die KI liefert nicht nur einen abstrakten Score, sondern zeigt nachvollziehbare Strukturen und Merkmalslisten an. Ärztinnen und Ärzte können diese Angaben prüfen, bestätigen, korrigieren oder ergänzen. Erst danach erfolgt die diagnostische Einordnung durch das System.
Die ärztliche Entscheidungshoheit bleibt dabei laut Magnosco ausdrücklich erhalten. Das Unternehmen beschreibt den Ansatz als Clinician-in-the-Loop-Modell, bei dem medizinische Expertise in den KI-gestützten Prozess eingebunden wird.
Reader-Studie mit schwierigen Hautläsionen
In der zweiphasigen internationalen Untersuchung wurde der Nutzen von idea® vor allem bei unklaren und fehleranfälligen Läsionen bewertet. Nach Unternehmensangaben konnte die diagnostische Genauigkeit in Zusammenarbeit mit der Software mehr als verdoppelt werden. Die Genauigkeit der Behandlungsentscheidung sei um mehr als 35 Prozent gestiegen.
Zusätzlich berichtet Magnosco, dass die Teilnehmenden die Workflow-Tauglichkeit der Anwendung insgesamt positiv einschätzten. Die zugrunde liegende Arbeit von L. Szyc et al. zur Verbesserung von Diagnose- und Managementgenauigkeit bei schwer zu diagnostizierenden pigmentierten Hautläsionen ist demnach bei Dermatology Practical & Conceptual eingereicht.
Dermatoskop und CE-Zertifizierung
Neben der Software hat Magnosco das digitale Dermatoskop Magnos® entwickelt. Das zertifizierte Gerät soll mit hoher Farbtreue eine standardisierte Bildaufnahme ermöglichen. Damit adressiert das Unternehmen ein zentrales Problem bei bildbasierter KI im Versorgungsalltag: schwankende Aufnahmequalität durch unterschiedliche Kameras, Lichtverhältnisse oder Gerätewechsel.
Das Dermatoskop wird seit mehr als einem Jahr vor allem in Deutschland vertrieben. 2025 erhielt das System den iF Design Award. Für idea® kündigt Magnosco als nächsten Schritt die CE-Zertifizierung als Medizinprodukt der Klasse IIa an.
Nach Abschluss der regulatorischen Etappe plant das Unternehmen den weiteren Ausbau im deutschen Markt und die Internationalisierung. Für Dermatologie und MedTech bleibt die Entwicklung relevant, weil KI-gestützte Assistenzsysteme bei der Früherkennung von Hautkrebs eine wachsende Rolle einnehmen können, sofern sie sich in klinische Abläufe integrieren lassen und nachvollziehbare Ergebnisse liefern.