Donnerstag, 9. Juli 2026
STADA Health Report: Mehrheit der Europäer offen für KI in der Gesundheitsversorgung
Der STADA Health Report 2026 beschreibt einen europäischen Gesundheitsmarkt, in dem digitale Anwendungen und insbesondere Künstliche Intelligenz bereits im Alltag vieler Menschen angekommen sind. Laut der von Human8 im Auftrag von STADA durchgeführten repräsentativen Online-Befragung in 20 europäischen Ländern sind 82 Prozent der Befragten offen dafür, dass KI eine Rolle in ihrer Gesundheitsversorgung übernimmt.
Der am 6. Juli 2026 veröffentlichte Report zeigt zugleich, dass diese Offenheit nicht mit einem Rückzug menschlicher Expertise gleichzusetzen ist. Hausärzte, andere Gesundheitsfachkräfte und Apotheker bleiben für viele Menschen zentrale Orientierungspunkte bei gesundheitsbezogenen Entscheidungen.
KI wird bereits für Gesundheitsthemen genutzt
Nach Angaben von STADA nutzen 55 Prozent der Europäer KI bereits im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit. 43 Prozent wären bereit, ihre vollständigen Gesundheitsdaten für KI-Anwendungen zugänglich zu machen, wenn dies Diagnose, Prävention oder Therapie verbessern kann. 49 Prozent vertrauen nach eigenen Angaben bereits einer KI-Diagnose oder könnten sich vorstellen, dies zu tun.
Die größte Akzeptanz besteht jedoch bei unterstützenden Aufgaben. 50 Prozent der Befragten können sich vorstellen, dass KI Termine und Nachsorge organisiert. 36 Prozent nennen Anwendungen wie die Dokumentation während Arztbesuchen oder die Überwachung chronischer Erkrankungen. Damit positioniert sich KI in den Ergebnissen vor allem als Assistenzsystem, nicht als Ersatz für medizinische Entscheidungen durch Fachpersonal.
Vertrauen bleibt stark an Menschen gebunden
Trotz wachsender Nutzung digitaler Werkzeuge verlassen sich 77 Prozent der Befragten bei Gesundheitsentscheidungen auf ihren Hausarzt oder andere medizinische Fachkräfte. Apotheker werden von 57 Prozent als wichtige Einflussgröße genannt. Rund acht von zehn Befragten bevorzugen weiterhin den persönlichen Kontakt mit ihrem Behandler.
Gleichzeitig zeigt der Report Vorbehalte gegenüber einer zu starken Technisierung der Versorgung. 38 Prozent sorgen sich um weniger menschliche Interaktion, 35 Prozent befürchten eine schlechtere Kommunikation mit Gesundheitsfachkräften.
Gesundheitssysteme bleiben unter Druck
Die allgemeine Zufriedenheit mit den Gesundheitssystemen liegt laut Report bei 56 Prozent und damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres mit 58 Prozent. Als größtes Problem nennen 67 Prozent den Mangel an medizinischem Personal und die daraus folgenden langen Wartezeiten. 43 Prozent sehen den Zugang zu bezahlbarer Versorgung gefährdet. Weitere zentrale Herausforderungen sind eine alternde Bevölkerung und chronische Erkrankungen mit 56 Prozent sowie psychische Erkrankungen mit 53 Prozent.
Wären die Befragten Gesundheitsminister, würden 58 Prozent zuerst die Wartezeiten durch mehr verfügbare Gesundheitsfachkräfte verkürzen. 49 Prozent würden den Zugang zur Primärversorgung verbessern.
Aktivere Rolle der Patienten
Der Report verweist auch auf eine stärkere Selbststeuerung der Bevölkerung. 78 Prozent fühlen sich gut in der Lage, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. 94 Prozent behandeln zumindest einzelne gesundheitliche Beschwerden selbst. 85 Prozent nutzen ein oder mehrere Hilfsmittel zur Überwachung ihrer Gesundheit, etwa Fitness-Tracker oder Messgeräte für zu Hause.
STADA-CEO Peter Goldschmidt ordnet die Ergebnisse als Hinweis auf einen Wandel ein, bei dem Patienten digitale Werkzeuge, eigenes Handeln und professionelle Beratung stärker miteinander verbinden. Für die Gesundheitsbranche ergibt sich daraus die Aufgabe, Versorgungspunkte wie Arztpraxen und Apotheken an diese veränderten Erwartungen anzupassen.
Für den STADA Health Report 2026 wurden im Februar und März 2026 anonymisierte Online-Interviews durchgeführt. Einbezogen wurden jeweils 500 bis 2.000 Personen aus Österreich, Belgien, Bulgarien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien, Kasachstan, Litauen, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Spanien, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und Usbekistan.