Mittwoch, 8. Juli 2026
Vertex kauft Crinetics für rund 10 Milliarden Dollar
Vertex Pharmaceuticals will Crinetics Pharmaceuticals übernehmen und baut damit sein Geschäft mit Therapien für seltene endokrine Erkrankungen aus. Beide Unternehmen haben eine definitive Vereinbarung unterzeichnet. Vertex bietet 85,00 US-Dollar je Crinetics-Aktie in bar. Daraus ergibt sich ein Eigenkapitalwert von rund 10,0 Milliarden US-Dollar, beziehungsweise etwa 8,8 Milliarden US-Dollar nach Abzug der erwarteten übernommenen Barmittel.
Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben die Transaktion einstimmig gebilligt. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich der üblichen Bedingungen, darunter regulatorische Freigaben und die Zustimmung der Crinetics-Aktionäre.
Endokrinologie-Portfolio als strategischer Schwerpunkt
Mit Crinetics erhält Vertex Zugang zu einem kommerzialisierten Produkt sowie zu fortgeschrittenen Entwicklungsprogrammen im Bereich Endokrinologie. Im Mittelpunkt steht PALSONIFY (paltusotine), eine einmal täglich oral einzunehmende Therapie für Erwachsene mit Akromegalie. Das Arzneimittel wurde im September 2025 von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen und erhielt laut Unternehmensangaben inzwischen auch eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur. Weitere Zulassungsprüfungen laufen.
Akromegalie ist eine seltene chronische Hormonstörung, die meist durch einen gutartigen Tumor der Hypophyse ausgelöst wird. In den USA leben nach Angaben der Unternehmen rund 20.000 diagnostizierte Patientinnen und Patienten mit der Erkrankung. Vor der Zulassung von PALSONIFY waren die Behandlungsoptionen vor allem durch injizierbare Somatostatin-Analoga geprägt.
Vertex verweist auf eine frühe kommerzielle Dynamik nach dem Start von PALSONIFY. Das Unternehmen sieht in dem Produkt Blockbuster-Potenzial in der Akromegalie und will seine Erfahrung in seltenen Erkrankungen für die weitere Vermarktung nutzen.
Atumelnant in Phase 3 bei CAH
Der wichtigste klinische Kandidat von Crinetics ist atumelnant, ein einmal täglich oral einzunehmender Antagonist des ACTH-Rezeptors. Der Wirkstoff befindet sich in Phase 3 zur Behandlung der klassischen kongenitalen adrenalen Hyperplasie (CAH). Diese seltene genetische Erkrankung der Nebennieren geht unter anderem mit gestörter Cortisolsynthese und häufig erhöhter Androgenproduktion einher.
Für die klassische CAH nennen die Unternehmen 17.000 adressierbare Patientinnen und Patienten in den USA. In Phase-2-Studien erreichten mit atumelnant behandelte Patientinnen und Patienten laut Mitteilung eine annähernde Normalisierung erhöhter Androgenspiegel bei physiologischen Glukokortikoid-Ersatzdosen. Bislang wurden den Angaben zufolge keine behandlungsbedingten schweren oder schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet.
Atumelnant wird zudem bei ACTH-abhängigem Cushing-Syndrom untersucht. Die Phase-3-Studie CALM-CAH sowie eine Phase-1/2b-Studie in dieser Indikation rekrutieren derzeit Patientinnen und Patienten.
Finanzierung und erwarteter Beitrag
Vertex erwartet, dass die übernommenen Programme auf dem Höhepunkt zusammen mehr als 5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz erreichen könnten. Die Transaktion soll laut Unternehmen unmittelbar zum Umsatzwachstum beitragen und ab 2029 auf Basis des Non-GAAP-Betriebsergebnisses wertsteigernd wirken.
Finanziert werden soll die Übernahme aus vorhandenen Barmitteln und Fremdkapital. Zusätzlich stehen vollständig zugesagte Brückenfinanzierungen über 4,5 Milliarden US-Dollar von Bank of America und Morgan Stanley Senior Funding bereit.
Für Vertex bedeutet die geplante Akquisition eine Erweiterung über das bestehende Kerngeschäft hinaus. Das Unternehmen verfügt unter anderem über zugelassene Therapien bei Mukoviszidose, Sichelzellkrankheit, transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie und akutem Schmerz. Crinetics bringt neben PALSONIFY und atumelnant weitere Programme ein, darunter Entwicklungsprojekte für neuroendokrine Tumoren und weitere endokrine Zielstrukturen.