Mittwoch, 27. Mai 2026
Gesundheitssystem unter Druck: Nachhaltigkeit als Hebel für Prävention
Wie sich die Belastungen im Gesundheitssystem langfristig abfedern lassen, stand im Mittelpunkt der diesjährigen WeACT Con, dem Forum für Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. In mehreren Programmpunkten diskutierten Vertreter*innen aus Versorgung, Politik, Wissenschaft und Kostenträgerschaft, wie sich Prävention und Umweltgesundheit stärker verzahnen lassen, um gesundheitliche Risiken zu reduzieren und zugleich die finanzielle Stabilität des Systems zu verbessern.
Prävention und Umwelt als gemeinsame Stellschrauben
Auf dem Kongress wurde betont, dass präventive Ansätze in Kombination mit einer gesunden, artenreichen Umwelt mehrere Herausforderungen gleichzeitig adressieren können. Als Beispiel wurde auf Studien verwiesen, die einen Zusammenhang zwischen dem Aufwachsen von Kindern in biodiverser Natur und einem geringeren Risiko für Allergien oder Autoimmunerkrankungen später im Leben beschreiben.
Zu den Themen Klimawandel, Naturverlust und gesundheitliche Folgen sprachen unter anderem Kerstin Blum (Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen), Katharina van Bronswijk (Psychotherapists for Future) sowie Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann (Umweltmedizin, Klimaresilienz und Prävention). Insgesamt umfasste das Programm mehr als 30 Referierende.
Nicht nur das Gesundheitswesen ist gefragt
Dr. Rüdiger Krech, seit 2025 kommissarischer Direktor bei der WHO, ordnete Gesundheitsschutz als sektorübergreifende Aufgabe ein. Für Gesundheitschancen sei neben der Versorgung auch relevant, wie etwa Wohnraum geplant, Finanzpolitik gestaltet oder Schule organisiert wird.
Finanzierungsvorschläge aus der Politik
In der abschließenden Podiumsdiskussion sprach sich Serdar Yüksel (SPD), Mitglied des Bundestags-Gesundheitsausschusses, dafür aus, Einnahmen aus der Tabaksteuer sowie aus einer geplanten Zuckerabgabe und der Brandweinsteuer für Gesundheitsförderung und Prävention zu nutzen.
Praxisbeispiele aus Workshops und Symposien
In Workshops wurden konkrete Umsetzungsansätze vorgestellt. So präsentierten Dr. Matthias Albrecht (KLUG), Martin König (BKK Dachverband) und Dorothea Baltruks (Centre for Planetary Health Policy) die Initiative UKAM, die Leitfäden für umwelt- und klimafreundlichere Arzneimittelanwendungen erarbeitet.
Weitere Beiträge befassten sich mit der Rolle von Rabattverträgen für eine nachhaltige Arzneimittelversorgung sowie mit Kreislaufwirtschaft und Recycling, unter anderem anhand eines Pflegebett-Beispiels. Zudem erarbeiteten Teilnehmende gemeinsam mit Expert*innen Empfehlungen für klimaresiliente Gesundheitsprävention im urbanen Raum.
WeACT Con: Netzwerk für Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen
Die WeACT Con fand in diesem Jahr zum vierten Mal statt und richtet sich an Entscheider*innen aus Kliniken, Krankenkassen, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für 2027 ist der Kongress am 2. und 3. Juni angekündigt. Pressebilder stellt der Veranstalter über die Presseseite bereit.