Bild modifiziert: ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Grippewelle erreicht Höhepunkt: Apotheken übernehmen immer mehr Impfungen – Versorgungslage bleibt stabil

Die aktuelle Grippewelle in Deutschland könnte ihren Höhepunkt rund um die Karnevalszeit erreichen. Das erklärte ABDA-Präsident Thomas Preis im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27. Januar 2026. Besonders betroffen seien in diesem Jahr jüngere Menschen, die nicht geimpft sind. Eine Ansteckung sei dabei nicht an Großveranstaltungen gebunden, betonte Preis – das Virus verbreite sich auch im Alltag.

Mit Blick auf die Impfstoffversorgung gab der ABDA-Präsident Entwarnung. Sowohl bei Großhändlern als auch in Apotheken gebe es teilweise noch Restbestände an Grippeimpfstoffen. Preis zeigte sich zuversichtlich, dass alle Impfwilligen auch tatsächlich versorgt werden können.

Seit Januar 2023 dürfen Apotheken in Deutschland sowohl Grippe- als auch Corona-Impfungen anbieten. Dieses zusätzliche Angebot wird zunehmend genutzt: In der aktuellen Impfsaison haben Apotheken doppelt so viele Impfungen durchgeführt wie im Vorjahr. Preis sieht darin eine große Chance, die nach wie vor niedrige Impfquote in Deutschland zu verbessern. Vergleichbare Modelle in anderen europäischen Ländern hätten bereits positive Effekte gezeigt.

Auch bei der Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln zeigt sich die Lage weitgehend stabil. Fieber- und Schmerzmittel sowie gängige Erkältungspräparate seien ausreichend verfügbar. Lediglich bei einigen Antibiotika für Kinder komme es derzeit zu Engpässen – für diese Fälle stünden jedoch therapeutische Alternativen zur Verfügung, so Preis.

Deutliche Kritik äußerte der ABDA-Präsident am Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG). Das Gesetz habe die strukturellen Probleme der Medikamentenverfügbarkeit bislang nicht gelöst. Aktuell seien weiterhin mehr als 500 Arzneimittel von Lieferengpässen betroffen. Zwar gebe es europäische Initiativen, um Produktionskapazitäten wieder stärker nach Europa zu verlagern, doch ein nachhaltiger Effekt werde erst langfristig zu erwarten sein.