Bild: Age Cymru

Montag, 1. Dezember 2025

Nur jeder Zehnte erwartet gute Pflege – Große Mehrheit spricht sich für Pflege-Bürgerversicherung aus

Die deutsche Bevölkerung verliert massiv das Vertrauen in die Pflegeversorgung, wie eine aktuelle, vom Sozialverband Deutschland (SoVD) beauftragte Civey-Umfrage zeigt. Knapp zwei Drittel der Menschen rechnen im Pflegefall mit einer eher schlechten Versorgung, während lediglich rund jeder Zehnte eine gute Pflege erwartet. Besonders negativ bewerten Frauen (70,6 Prozent) sowie die 40- bis 49-Jährigen (79,7 Prozent) die künftige Situation. Viele von ihnen tragen bereits heute erhebliche private Pflegeverantwortung oder gehören zur sogenannten Sandwich-Generation, die sowohl Angehörige pflegt als auch über die eigene Absicherung im Alter nachdenken muss.

SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier ordnet die Ergebnisse ein: Der geringe Optimismus sei Ausdruck eines langjährigen politischen Reformstaus und einer Debatte, die von Einsparvorgaben geprägt ist. Dies habe zu einem tiefgreifenden Vertrauensverlust in die Pflegepolitik geführt.

Breite Zustimmung zur Pflege-Bürgerversicherung

Die Umfrage sendet zugleich ein deutliches Signal an die Politik: Rund 80 Prozent der Bevölkerung sprechen sich für eine solidarische Pflegeversicherung aus, in die alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen – unabhängig vom Berufsstatus. Bemerkenswert ist der Zuspruch unter Gruppen, die bislang vom dualen System profitieren: Rund 42 Prozent der Beamtinnen und Beamten sowie über 69 Prozent der Selbstständigen bewerten das Konzept positiv. Für den SoVD ist dies ein klarer Auftrag. Der Verband fordert seit Jahren eine gerechte und umfassende Pflege-Bürgerversicherung, die das Pflegerisiko solidarisch absichert.

Pflegende Angehörige fordern echte Entlastung

Nahezu 80 Prozent der pflegenden Angehörigen halten die bestehenden staatlichen Hilfen für unzureichend. Dies ist besonders relevant, da rund 86 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt werden – überwiegend von Angehörigen, häufig unter schwerer körperlicher, emotionaler und finanzieller Belastung. Der SoVD dringt daher auf konkrete Verbesserungen wie den Ausbau der Tages- und Verhinderungspflege, Pflegezeiten mit Entgeltersatz analog zum Elterngeld sowie eine bessere rentenrechtliche Absicherung für pflegende Angehörige.

Engelmeier betont: Pflegende Angehörige brauchen konkrete Entlastung, nicht nur politische Ankündigungen.