
Rheumaliga Schweiz
Donnerstag, 15. Oktober 2026
Die Rheumaliga Schweiz hat zum Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober 2026 ihre erste nationale Sensibilisierungskampagne zu Osteoporose vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen ab 50 Jahren früher auf ihre Knochengesundheit aufmerksam werden können.
Der Verband adressiert damit eine Versorgungslücke, die nach seinen Angaben in der Schweiz trotz hoher Krankheitslast bisher nicht breit öffentlich thematisiert wurde. Ab dem Alter von 50 Jahren erleidet laut Rheumaliga jede zweite Frau und jeder fünfte Mann im weiteren Leben eine osteoporosebedingte Fraktur. Zudem verweist die Organisation auf Angaben der International Osteoporosis Foundation, wonach in der Schweiz rund 684’000 Frauen mit Osteoporose ohne Behandlung leben. Zur Unterversorgung bei Männern liegen demnach keine entsprechenden Zahlen vor.
Kampagne setzt auf Alltagsszenen
Die Kampagne vermeidet klassische medizinische Bildwelten und arbeitet stattdessen mit bekannten Situationen aus dem Alltag. Gezeigt werden etwa ein Badezimmer oder eine Bushaltestelle, die mit weichen Materialien wie Luftpolsterfolie und Watte ausgekleidet sind. Die Botschaft: Nicht eine gepolsterte Umgebung schützt langfristig vor Brüchen, sondern stabile Knochen und eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Risiken.
Umgesetzt wurde die Kampagne gemeinsam mit TBWA\Zürich. Sie läuft zunächst vom Welt-Rheuma-Tag bis zum Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober und soll 2026/2027 fortgeführt werden. Geplant ist eine Verbreitung in Deutsch, Französisch und Italienisch über eigene Kanäle der Rheumaliga, Flächen im öffentlichen Raum sowie Netzwerke von Partner- und Mitgliederorganisationen.
Digitaler Risiko-Check als zentrales Element
Ein wesentlicher Bestandteil ist ein digitaler Osteoporose-Risiko-Check. Das Tool richtet sich besonders an Menschen ab 50 Jahren und soll in rund zwölf Minuten eine erste Orientierung zur persönlichen Knochengesundheit ermöglichen. Abgefragt werden 20 Punkte, darunter Lebensstil, hormonelle Veränderungen, frühere Knochenbrüche, Medikation und weitere Gesundheitsfaktoren.
Die Rheumaliga betont, dass der Check keine ärztliche Diagnose ersetzt. Vielmehr soll die Auswertung helfen, mögliche Risikofaktoren einzuordnen und gegebenenfalls ein Gespräch mit Ärztinnen oder Ärzten anzustossen. Geprüft wurde das Instrument von einem ärztlichen Fachgremium mit Vertreterinnen der Schweizerischen Gesellschaft für Rheumatologie, der Schweizerischen Vereinigung gegen die Osteoporose und der Swiss Osteoporosis Registry Association.
Relevanz für Healthcare-Kommunikation
Für die Gesundheitskommunikation ist die Kampagne ein Beispiel dafür, wie Prävention und Früherkennung bei einer chronischen Erkrankung niedrigschwellig vermittelt werden können. Statt auf Krankheitsbilder oder Schockmotive zu setzen, übersetzt die Rheumaliga das Frakturrisiko in vertraute Situationen. Damit positioniert sie Osteoporose nicht nur als medizinisches Thema, sondern auch als Alltags- und Versorgungsthema.
Die Kampagne ist Teil eines breiteren Angebots der Rheumaliga. Dazu zählen unter anderem ein Calciumrechner, Podcast-Folgen, Bewegungskurse wie Osteogym, kostenlose Beratung durch Gesundheitsfachpersonen, Trainingsvideos für zu Hause sowie Informationsmaterialien zu Osteoporose. Die Organisation versteht sich als nationales Fachzentrum und Dachorganisation von 16 kantonalen Rheumaligen und sechs nationalen Patientenorganisationen.

