Bild: AOK-Bundesverband eGbR / Vladimir Vladimirov

Donnerstag, 27. November 2025

Neuer WIdO-Früherkennungsmonitor 2025: HPV-Impfung senkt Zahl der Konisationen deutlich – AOK und Deutsche Krebsgesellschaft fordern höhere Impfquote

Anlässlich des diesjährigen „Tags der Krebsvorsorge“ am 28. November präsentieren AOK und Deutsche Krebsgesellschaft neue Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die Auswertung liefert deutliche Hinweise darauf, wie wirksam die HPV-Impfung zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs ist und unterstreicht gleichzeitig die weiterhin hohe Bedeutung gynäkologischer Vorsorgeuntersuchungen. Der neu veröffentlichte Früherkennungsmonitor 2025 rückt das Thema Gebärmutterhalskrebs klar in den Mittelpunkt.

Die Analyse zeigt, dass Frauen, die in Jugend oder Kindheit gegen HPV geimpft wurden, nur gut halb so häufig eine Konisation benötigen wie ungeimpfte Frauen. Konisationen dienen dazu, auffälliges Gewebe – meist Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs – chirurgisch zu entfernen. Die Datengrundlage besteht aus den ersten Impfjahrgängen, die zwischen 2007 und 2024 vom Jugendalter bis ins 30. Lebensjahr begleitet wurden.

Bis zum Alter von 30 Jahren mussten bei 10.000 geimpften AOK-Versicherten lediglich 100 Konisationen durchgeführt werden, bei ungeimpften hingegen 184. AOK-Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann bewertet die Ergebnisse als eindrucksvollen Beleg für den hohen Nutzen der Impfung, die jungen Frauen möglicherweise invasive Eingriffe und damit verbundene Risiken – etwa Frühgeburten in späteren Schwangerschaften – ersparen kann.

Impfquote bleibt deutlich hinter WHO-Zielen zurück

Trotz der belegten Wirksamkeit bleibt die Impfquote in Deutschland zu niedrig. Laut Robert-Koch-Institut sind nur 54,6 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 34 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig geimpft. Die WHO empfiehlt für 2030 eine Quote von 90 Prozent. Auch AOK-interne Daten zeigen Nachholbedarf: Unter 19-jährigen Versicherten waren lediglich knapp 60 Prozent mindestens zweimal geimpft.

Prof. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, fordert eine flächendeckende Finanzierung sowie höhere Verbindlichkeit für HPV-Impfungen im Rahmen der U- und J-Untersuchungen. Ergänzend seien Schulimpfprogramme und digitale Impferinnerungen entscheidend. Besonders Jungen müssten stärker adressiert werden, da auch sie HPV weitergeben oder selbst daran erkranken können – etwa in Form von Mund-, Rachen-, Penis- oder Analkrebs.

Früherkennung bleibt unverzichtbar

Neben der Impfung spielt das Screening eine zentrale Rolle. Das Zervixkarzinom-Screening, seit 1971 etabliert, weist bis heute die höchste Teilnahmequote aller Krebsfrüherkennungsprogramme auf. Im Zeitraum 2021 bis 2024 nahmen über 80 Prozent der AOK-versicherten Frauen zwischen 25 und 55 Jahren teil. Allerdings liegt die Nutzungsrate noch leicht unter dem Niveau vor der Pandemie.

Da die Impfung nicht vor allen Hochrisiko-HPV-Stämmen schützt, bleibt die Früherkennung auch für Geimpfte essenziell. Die WIdO-Daten zeigen, dass selbst geimpfte Frauen gelegentlich Vorstufen entwickeln, die behandelt werden müssen. Positiv ist, dass geimpfte und ungeimpfte Frauen ähnlich hohe Teilnahmequoten an der Vorsorge aufweisen.

Screening anderer Krebsarten wieder im Aufschwung

Der Früherkennungsmonitor dokumentiert darüber hinaus einen Anstieg der Teilnahmeraten bei weiteren Screening-Programmen: Hautkrebsfrüherkennung (7,6 Millionen Untersuchungen), Prostatakrebsfrüherkennung (4,4 Millionen Männer), Mammographie-Screening (rund 3 Millionen Frauen) und Darmkrebsfrüherkennung (638.000 Koloskopien). Nach pandemiebedingten Rückgängen haben sich die Zahlen zuletzt deutlich erholt.

„Tag der Krebsvorsorge“ stärkt Aufmerksamkeit für Prävention

Der Aktionstag findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Er wurde 2022 von AOK und Deutscher Krebsgesellschaft ins Leben gerufen, um die Relevanz der Krebsfrüherkennung stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. 2024 stellt die AOK zusätzliche Informationsangebote bereit, darunter einen Kalender-Reminder für HPV-Impfungen und eine aktualisierte Version des „Vorsorg-O-Mat“.

Beide Organisationen setzen rund um den 28. November verstärkt auf kommunikative Maßnahmen, um mehr Menschen zu Vorsorgeuntersuchungen zu motivieren und langfristig die Krankheitslast durch Krebs zu reduzieren.