Freitag, 6. Februar 2026

Medizinische Innovationen unter Druck: Ärzt:innen fordern Reformen, Investitionen und schnelleren Zugang für Patient:innen

Innovation als unverzichtbarer Bestandteil moderner Medizin

Medizinische Innovationen sind aus dem ärztlichen Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Eine aktuelle Online-Befragung unter 267 Ärzt:innen aus sechs Fachrichtungen in Deutschland macht deutlich: 99 Prozent der Befragten bewerten medizinische Innovationen als essenziell für eine wirksame und zielgerichtete Behandlung. Besonders bei therapieresistenten Erkrankungen, unzureichender Wirksamkeit bestehender Therapien oder seltenen Erkrankungen ohne zugelassene Behandlungsoptionen sehen Ärzt:innen einen dringenden Bedarf an neuen Therapieansätzen.

Drei Viertel der Befragten berichten, dass Patient:innen regelmäßig von innovativen Therapien profitieren – insbesondere in den Indikationsbereichen Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig zeigt sich: Der Zugang zu diesen Innovationen ist nicht flächendeckend gesichert.

Deutschland verliert im internationalen Vergleich an Boden

Ein zentrales Problem sehen viele Ärzt:innen in der eingeschränkten Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel im Vergleich zu anderen Ländern. 74 Prozent bewerten die Diskrepanz zwischen Deutschland und den USA als problematisch. Seit 2015 wurden dort 19 Arzneimittel mit sogenanntem „Breakthrough Therapy“-Status zugelassen, die Patient:innen in Europa bislang nicht zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus äußern 76 Prozent der Befragten Sorgen über internationale gesundheitspolitische Entwicklungen, die sich negativ auf den deutschen Arzneimittelmarkt auswirken könnten. Aus ärztlicher Sicht braucht es deshalb klare Signale zur Stärkung des Standorts Deutschland: 80 Prozent fordern höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung, während nur 13 Prozent das aktuelle Niveau für ausreichend halten.

Alexandra Bishop, Geschäftsführerin von AstraZeneca Deutschland, betont:
„Nur durch gemeinsames Handeln können wir sicherstellen, dass neue Therapien schneller bei Patient:innen ankommen und Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückfällt.“

Reformbedarf im AMNOG-System

Auch beim regulatorischen Rahmen sehen Ärzt:innen deutlichen Handlungsbedarf. Fast 90 Prozent sprechen sich für eine Reform des AMNOG-Systems aus, um die Bewertung und Erstattung neuer Arzneimittel stärker an aktuelle wissenschaftliche Standards anzupassen. 85 Prozent wünschen sich eine stärkere Berücksichtigung patient:innenzentrierter Endpunkte, etwa therapiefreie Zeit oder funktionelle Lebensqualität.

Neben der Wirksamkeit zählen für jeweils 96 Prozent der Befragten auch Verträglichkeit und Lebensqualität zu den wichtigsten Bewertungskriterien neuer Therapien. Die Verfügbarkeit verschiedener Therapieoptionen wird von nahezu allen Ärzt:innen als unverzichtbar eingeschätzt.

Dr. Niko Andre, Head of Oncology bei AstraZeneca Deutschland, unterstreicht:
„Ein modernes Bewertungssystem muss den tatsächlichen Nutzen für Patient:innen sichtbar machen und Innovationen schneller in die Versorgung bringen.“

Fazit

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen klar: Ärzt:innen betrachten medizinische Innovationen als entscheidenden Faktor für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung. Um Patient:innen in Deutschland auch künftig Zugang zu modernen Therapien zu ermöglichen, braucht es zeitgemäße regulatorische Rahmenbedingungen, patient:innenorientierte Bewertungskriterien und eine nachhaltige Stärkung von Forschung und Entwicklung.