Donnerstag, 11. Juni 2026

Etablierte Arzneimittel brauchen mehr Fokus

In der Pharmabranche bindet die Entwicklung neuer Therapien erhebliche Ressourcen. Zugleich bleibt die Versorgung vieler Patientinnen und Patienten auf bewährte Arzneimittel angewiesen. Christopher Hähner, General Manager von Good Healthcare Pharma, sieht darin eine wachsende Managementaufgabe für Unternehmen.

In einem Gastbeitrag beschreibt Hähner, dass etablierte Produkte in Portfolios häufig an interner Sichtbarkeit verlieren, wenn neue Präparate, komplexere Entwicklungsprogramme und Innovationsprojekte Priorität erhalten. Aus seiner Sicht entsteht dadurch kein Mangel an grundsätzlicher Verantwortung, sondern eine Lücke in der operativen Steuerung.

Patentablauf verändert die Produktlogik

Besonders deutlich werde diese Entwicklung rund um den Ablauf von Patenten. Mit dem Ende der Exklusivität steigen der Wettbewerb durch Generika und der wirtschaftliche Druck. Gleichzeitig verschieben sich interne Prioritäten oft weiter in Richtung neuer Produkte.

Hähner betont jedoch, dass der Patentablauf nicht mit dem Ende der medizinischen Relevanz gleichzusetzen sei. Viele Arzneimittel würden auch danach weiter verordnet und blieben für eine stabile Versorgung wichtig. Kritisch werde es, wenn die aktive Marktführung in dieser Phase nachlasse.

Fragmentierte Zuständigkeiten als Risiko

Ein zentrales Problem sieht Hähner in der organisatorischen Aufteilung von Verantwortlichkeiten. Funktionen wie Supply Chain, Demand Planning, Marketing und Vertrieb arbeiteten zwar jeweils an einem Produkt, seien aber nicht immer entlang des gesamten Lebenszyklus eng genug miteinander verbunden.

Dadurch könnten Brüche entstehen, die zunächst kaum sichtbar sind. Später könnten sie sich in operativen Reibungsverlusten, schwächeren Marktpositionen oder Versorgungsrisiken niederschlagen. Für etablierte Produkte sei deshalb eine durchgängige Führung erforderlich, die kommerzielle und operative Perspektiven zusammenführt.

Integriertes Management für reife Produkte

Als strukturelle Antwort beschreibt Hähner Modelle, in denen Verantwortung gebündelt und langfristig angelegt wird. Dazu zählen aus seiner Sicht Partnerschafts- und Vertragsstrukturen, die Steuerung, wirtschaftliche Entwicklung und Risiko miteinander verbinden.

Im Kern geht es dem Beitrag zufolge nicht um zusätzliche Abstimmungsgremien, sondern um konsequente Umsetzung. Etablierte Arzneimittel müssen auch in späteren Lebenszyklusphasen aktiv geplant, gesteuert und im Markt begleitet werden.

Hähner ist General Manager von Good Healthcare Pharma, einem Geschäftszweig der Berliner Good Healthcare Group. Er verfügt über mehr als 25 Jahre internationale Führungserfahrung in der Pharma- und Healthcare-Industrie und war unter anderem bei Neuraxpharm und Bayer in leitenden Funktionen tätig.