Bayer AG

Freitag, 5. Juni 2026

Bayer-CEO Bill Anderson sieht Deutschland im Standortnachteil

Bayer-CEO Bill Anderson hat die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland öffentlich kritisiert. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal t-online sprach er von einem spürbaren Wettbewerbsnachteil für den Standort.

Hohe Kosten und Bürokratie als zentrale Punkte

Anderson führte mehrere Faktoren an, die aus seiner Sicht die Attraktivität des Standorts belasten. Dazu zählen hohe Lohnnebenkosten, umfangreiche Bürokratie sowie hohe Energiekosten. Beim Strompreis verwies er auf deutliche Unterschiede im internationalen Vergleich, unter anderem gegenüber einer US-Region in Texas sowie gegenüber China.

Zugleich sagte Anderson, er sehe trotz vieler Diskussionen keine ausreichende Entlastung. Stattdessen nähmen Berichtspflichten und Regulierung weiter zu.

Diplomatische Töne gegenüber der Bundesregierung

Bei aller Kritik vermied Anderson pauschale Angriffe auf die Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete er als klug und erfahren, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Deutschland brauche aus seiner Sicht jedoch eine überzeugende, motivierende Zielsetzung, um den Innovationsgeist wieder stärker zu aktivieren.

Warnung vor Folgen einer Blockade der Straße von Hormus

Im selben Zusammenhang äußerte sich Anderson auch zu Risiken für die globale Landwirtschaft. Vor dem Hintergrund des Krieges im Iran und einer möglichen Blockade der Straße von Hormus warnte er vor Ernteausfällen und steigenden Lebensmittelpreisen. Nach seiner Darstellung läuft ein erheblicher Teil des Welthandels mit stickstoffbasiertem Dünger über diese Route.

Eine anhaltende Einschränkung könne bereits im Herbst zu geringeren Erträgen auf der Nordhalbkugel führen. Bayer wäre davon ebenfalls betroffen, auch wenn das Unternehmen selbst keinen Dünger produziert. Anderson verwies zudem auf mögliche Engpässe bei Tierfutter, die Fleisch, Eier und weitere Lebensmittel verteuern könnten.